This Probably Will Not Work | Lothringer13 Halle


Ausstellung bis 13. September 2015

„This probably will not work“ ist ein Zitat des amerikanischen Künstlers Jimmie Durham, der damit auf treffendste Weise das Konzept einer Utopie beschreibt — ein Idealzustand, den es zu erstreben gilt, und der gleichzeitig nicht zu erreichen ist. Während Durhams Aussage zunächst pessimistisch klingt, sorgt der Einschub „probably“ dafür, dass jede Hoffnung am Leben bleibt. Die Lothringer13 Halle lud unter diesem Titel drei Künstler ein, vor Ort neue Arbeiten zu realisieren.
Stefan Burger, Federico Delfrati und Kostis Velonis widmen sich Fragestellungen, die einen gewissen Grad an Mut zum Scheitern erfordern.

Unser Handeln setzt voraus, dass dabei etwas entsteht, etwas voran- gebracht wird, etwas funktioniert. An diesen Mehrwehrt, an eine vermeintliche Verbesserung zu glauben, ist der Antrieb — und es reicht oft nur ein kleiner Funke davon, um all die Unwahrscheinlichkeiten und Zweifel zu übergehen. Aus unterschiedlichen Richtungen nähern sich die Künstler einem vor- programmiertem Erfolgsmodus, stellen ihn in Frage oder fordern ihn heraus. Ein Grieche, ein Schweizer und ein Italiener treffen sich in einer Münchner Halle. So könnte ein Meta-Witz anfangen, und eine Vielzahl an Pointen kommen einem in den Sinn, aber nicht zu Wort. Der Humor, der einem begegnet, ist feinsinniger, subversiver oder auch mit einem Geschmack von Verzweiflung versehen.

Federico Delfrati erinnert uns an den Traum vom Fliegen, der Kindern in Form einer Schaukel schon früh symbolisiert, hoch hinaus zu kommen. Enthusiastisch entwickelte der von Mailand nach München übersiedelte Künstler in der Halle eine Schaukel, die vorankommen soll, und gleichzeitig nicht vom Fleck kommt. Es ist unklar, ob nach der Vernissage mehr als die Zeichnungen und Dokumentation den kurzzeitigen Erfolg belegen, oder seine Vision Wirklichkeit wurde. Getrieben ist Delfrati ohnehin von der Freude an der Ungewissheit, der Spannung vor dem Gelingen oder Versagen, und all den neuen Fragen, die dabei aufgeworfen werden.

Mit dem Titel Tagesstätten für psychische Gesundheit 1–8 entwirft Stefan Burger Rastanlagen für den elastischen Zustand allgemeiner mentaler Verfassungen. Bereiche des leiblichen Aufenthalts und Hilfsmittel der leiblichen Hygiene treffen auf scheinbar neurotische Motti oder werden mit Sprachcodes mikrosozialer Gruppen kombiniert. Material von völlig unbe- kannter Herkunft findet sich ungewollt in einem Ausstellungsraum wieder und sucht die Verständigung mit dem Münchner Kunstklientel. Man muss sich fragen: An welcher örtlichen Stelle genau gelingt wohl sprachliche Überein- kunft? Verstehen mich bestimmte normative Systeme und auf wen ist eigentlich Verlass? Der Siegermoment bleibt Merchandising.

Für Kostis Velonis formulieren sich Objekte anders. Die Praxis bleibt aus, es ist unklar, ob sie schon war, erst kommt, oder gar nicht stattfindet. Velonis spinnt Visionen demokratischer Ideale und auf Gemeinschaft basie- rende, politische Modelle, die je nach Gesinnung radikal oder naiv anmuten. Die armen Architekturen zehren von reichen Referenzen und ziehen sich mit echter oder gedachter Patina durch die Halle, während die Titel in Zusatz- schichten arbeiten. Eine (E)Utopie? Velonis’ Skulpturen stellen historische Ideologien in die Jetztzeit, ob als Forderung oder Frage bleibt offen.

Der Gang durch die Halle konfrontiert mit einer Neuverteilung zwischen Scheitern und Erfolg. Wir durchbrechen physikalische Gesetze, erinnern uns an alte Ideale und hinterfragen die lokale Verfassung.
Pressetext Lothringer13 Halle

„This probably will not work“ – Lothringer13 Halle
Ausstellung bis 13. September 2015

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 11 – 20 Uhr
Eintritt frei

Lothringer13 Halle, Lothringer Straße 13, 81667 München

 

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