Haiying Xu | Do. 07.05., Galerie Andreas Binder, 19:00

Haiying Xu
Landschaften mit exotischer Vegetation, etwa ein See, in dem Haiying Xu (*1975) als Kind gebadet hat, bilden die Szenerie für die Erinnerungsbilder. Auf diesen vertiefen sich chinesische Mädchen in liegender, teils schlafender Haltung in ihre innere Vorstellungswelt, scheinen von ihrer Heimat zu träumen, während sie sich teilweise gleichzeitig dabei betrachten. In diesen kontemplativen (Selbst-)Porträts tauchen – wie Gedankenfragmente oder vorüberziehende Sequenzen eines Traums – Motive des traditionellen chinesischen Schattentheaters, ausdrucksstarke Masken der Peking-Oper, Prinzessinnen, gute Geister, Tiger und geheimnisvolle Fabelwesen der chinesischen Sagen- und Märchenwelt auf, die Haiying Xu schon als Kind fasziniert haben. Die Ausstellung „Du und Sie und Wir“ eröffnet am Donnerstag 05.05.2015 in der Galerie Andreas Binder.

Die Künstlerin kontrastiert diese Elemente der chinesischen Kultur, etwa den bunten Fisch, Symbol für Wohlstand und das traditionelle chinesische Frühlingsfest, mit jungen Chinesinnen in moderner westlicher Freizeitkleidung. Diese Inszenierung verdeutlicht nicht nur die doppelte kulturelle Identität der Künstlerin, die Diskrepanz zwischen West und Ost, sondern auch zwischen den vom Vergessen bedrohten kulturellen Traditionen Chinas und dem modernen Leben in globalisierten Wirtschaftsnationen.
Haiying Xu’s zentrales Thema sind Mädchen, dargestellt als modische Zeitgenossinnen, die in immer neuen Kleidern, Frisuren und Körperhaltungen auftreten. Mit dieser malerischen Homage würdigt Haiying starke, selbstbewusste und eigenwillige junge Frauen, die durch Reisen die Welt entdecken und sich behaupten. Gerade die Teenagerzeit interessiert sie besonders, da in dieser emotional sehr spannenden Übergangsphase entscheidende Weichen für die weitere Persönlichkeitsentwicklung gestellt werden. In diesem Zusammenhang steht auch ihre neue Bildserie, für die sie erstmals ein blondes deutsches Mädchen als Modell wählt, das auf zwei Bildern etwa dem Betrachter den Rücken zudreht, um ihn über die Schulter hinweg herausfordernd, beinahe trotzig wieder direkt anzublicken. Auch mit diesen Gemälden begibt sich Haiying Xu auf Spurensuche in ihre Jugend-Zeit. Dieses Mal sucht sie jedoch – wie der Ausstellungstitel bereits andeutet – nach Gemeinsamkeiten und Kultur übergreifenden Konstanzen dieser Entwicklungsphase. Durch die Beschäftigung mit dem neuen Modell entdeckt sie im Rückblick Spiegelungen der eigenen Biographie und neue Aspekte ihrer damaligen Gefühlswelt.
Nach ihrem Design-Studium an der chinesischen Universität Hainan wechselte Haiying Xu zum Studium der Malerei an die Münchner Akademie der Bildenden Künste in die Meisterklasse von Anke Doberauer. Im Jahr 2009 wurde ihr der DAAD-Diplompreis für ausländische Absolventen verliehen. Im Jahr darauf folgt bei der Biennale „mulhouse 010“ in Frankreich der „Prix du Conseil General du Haut-Rhin“. Seitdem waren Arbeiten von Haying Xu in verschiedenen Ausstellungen in Deutschland und Europa zu sehen, darunter im Jahr 2013 bei der Draiflessen-Gruppenausstellung „Macht Heimat“, 2014 bei der Ausstellung „Menschen Tiere und Kanonen“ in der Kunsthalle Rostock sowie im Frühjahr 2015 unter dem Titel „Skill-Based-Painting“ in der Brechtoldsvilla in Salzburg. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Schleswig Holstein.
Text von Dr. Cornelia Friedrichs.Haiying Xu „Du und Sie und Wir“

Eröffnung: 05.05.2015, 19 Uhr

Ausstellung bis 20. Juni 2015
Öffnungszeiten: Di. – Fr. 12 – 18 Uhr | Sa. 11 – 15 Uhr

Galerie Andreas Binder
Knöbelstraße 27, 80538 München

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