Tony Cragg – Recent works | Galerie Klüser 2

Ausstellung bis 7. November 2015

Die Galerie Klüser und Galerie Klüser 2 zeigen Ausstellungen mit dem Künstler Tony Cragg.

Tony Craggs erste Skulpturen entstanden zu Beginn der 1970er-Jahre und waren aus einer breiten Palette von Materialien geschaffen, die nicht in den Kanon der traditionellen Werkstoffe und Gegenstände der Kunst gehörten. Diese Fundstücke wurden in einfachen Arbeitsprozessen verarbeitet, sortiert, zermahlen und gestapelt, wobei der Körper des Künstlers oft als verarbeitendes Element, als Agens einbezogen war. Cragg hatte in London studiert und interessierte sich zunächst für die Minimal und Konzept Kunst der Zeit. Die Gegenhaltung, die er aus dieser Auseinandersetzung entwickelte, führte ihn zur Herstellung geometrischer Grundformen, die er in Werkstoffen baute, welche eine exakte geometrische Form eigentlich nicht zulassen. Ihr Spektrum wurde nach dem Prinzip erweitert, dass für einen Bildhauer alle Materialien interessant sind und nichts unbedeutsam ist. Angesichts dieses unerschöpflichen Fundus wurde Cragg klar, dass – in Analogie zur Natur – auch die Formen industriell hergestellter Dinge auf Grundformen oder Geometrien beruhen. In der Natur allerdings sind solche Grundformen – die man mit Abstraktionen gleichsetzen kann – erheblich vielseitiger und komplexer als in industriellen Herstellungssystemen, die in der Regel ökonomisch ausgerichtet sind und daher simple Formen herstellen.

Tony Cragg versteht Bildhauerei als das Aufleben von Formen, die, frei von utilitären Zwängen, aus Material entwickelt werden − in einem ständigen Prozess des Experimentierens und Entwickelns von Form und Inhalt. Er selbst hat sich wiederholt als »radikalen Materialisten« bezeichnet. Damit wird impliziert, dass alle wahrnehmbaren Erfahrungen letztlich Eigenschaften einer erhabenen Materialrealität sind, inklusive aller Emotionen, der Intelligenz und des Geistes, die als Phänomene des Materiellen verstanden werden. Ästhetik ist ein existentielles Bewertungssystem, das je nach Lebensumstand variabel ist und zu Bewertungen wie schön und hässlich, richtig und falsch, gut oder böse führt. Form und Inhalt können daher niemals als getrennte Aspekte betrachtet werden.

Für Cragg ist Form immer das Resultat innerer Energien und Kräfte. In den beiden umfänglichen Werkgruppen der »Early Forms« oder »Frühformen« und der »Rational Beings«, den »Rationalen Wesen«, untersucht er auf unterschiedliche Weise die Beziehungen zwischen natürlicher und künstlicher Form, zwischen äußerer Erscheinungsform und inneren Strukturen sowie zwischen sichtbarer und nicht mehr

wahrnehmbarer Materialrealität. So führt etwa ein Werk wie „Wild Relatives“, eines jener »rationalen Wesen«, deren menschliches Profil sich in eine Überlagerung zahlloser, jeweils leicht verschobener Schichten auflöst, die permanente Wandelbarkeit organischer Formen vor Augen, übersetzt in erstarrtes Material.
Der Bildhauer Tony Cragg handelt in der Überzeugung, dass alles, was wir im Kopf haben, unsere Wertvorstellungen, Ideen, Begriffe und die Sprache, unmittelbar aus unserer Materialumgebung resultiert und dass die Bildhauerei eine radikale Rolle innerhalb der Produktion eines erweiterten Formenvokabulars einnimmt.
Pressetext Dr. Maria Müller-Schareck

Ausstellung bis 7. November 2015
Galerie Klüser 2, Türkenstraße 23, München, Öffnungszeiten: Di. – Fr. 14 – 18 Uhr | Sa. 11 – 14 Uhr
Galerie Klüser, Georgenstrasse 15, München, Öffnungszeiten: Di. – Fr. 11 – 18 Uhr | Sa. 11 – 14 Uhr

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