Female Views on Russia | Do. 23.04., Barbara Gross Galerie, 18:00

Barbara Gross Galerie

Die Ausstellung „Female Views on Russia“ in der Barbara Gross Galerie versammelt dokumentarische, narrative und perfomancebasierte Videoarbeiten der aus Russland stammenden Künstlerinnen Taisiya Krugovykh, Anna Jermolaewa und Gluklya.
Alle drei Künstlerinnen verstehen sich als Feministinnen und setzen sich in ihren Arbeiten mit Geschlechterrollen, Repression und Widerstand, Migration und zwischenmenschlichen Beziehungen auseinander. Die hier ausgestellten Werke verhandeln politische und gesellschaftliche Aspekte der russischen Vergangenheit und Gegenwart. Einer Kultur, die in den letzten Jahren zunehmend von Macht,Stärke und Männlichkeit geprägt wurde, setzen sie Humor, Respektlosigkeit und Mitgefühl entgegen.

Anna Jermolaewas (geb. 1970 in St. Petersburg, lebt und arbeitet seit 1989 in Wien) Filme sind genaue Beobachtungen, die sich durch ein Gespür für das Absurde im Realen und das Allgemeingültige im Einzelfall auszeichnen. Ihr VideoKremlin Doppelganger, 2007 greift das wohl emblematischste Symbol der russischen Staatsmacht auf: den Roten Platz in Moskau, auf dem in diesem Februar die „Heimholung“ der Krim gefeiert und nationale Mythen beschworen wurden. Jermolaewa verschränkt in ihrem Film Aufnahmen des originalen Roten Platzes in Moskau mit Szenen aus dem Alltag des Ferienressorts „Kremlin Palace Hotel“, seiner detaillierten Kopie in Antalya, Türkei mit Cocktailbar, Pool und Strand. Die 2003 erbaute Anlage erfreut sich heute besonders bei Gästen aus der ehemaligen Sowjetunion großer Beliebtheit. Im Film kommt neben den Urlaubern auch ein vom Hotel engagiertes Gorbatschow-Double zu Wort und berichtet von seinen Erlebnissen und Begegnungen. So verschmelzen nicht nur Orte, sondern auch Geschichte und Gegenwart miteinander.Die Videokünstlerin und Aktivistin Taisiya Krugovykh (geb. 1982 in Moskau, lebt und arbeitet in Moskau) gehört zu einer jungen, politisch und sozial engagierten Künstlergeneration, welche die Freiheiten des Internets für ihre Aktionen und deren Verbreitung nutzt und sich so international vernetzt. Sie lebt in Moskau und arbeitet im Umkreis der Künstlergruppen Voina und Pussy Riot. Ihre Arbeit The Anthem, 2014 vermittelt körperlich spürbar das Gefühl der Ohnmacht angesichts der Entwicklungen in ihrem Land: Während ein Chor die russische Nationalhymne singt, umwickelt die Künstlerin auf der Bühne ihr Haupt mit Plastikfolie und Klebeband, schnürt sich damit die Luft ab und sackt am Ende leblos zusammen. In ihrem Film Moscow, I Love You, 2010, folgt der Zuschauer einer Puppe auf ihrem Weg durch Moskau mit U-Bahn, Auto und Schiff. Untermalt von melancholischen Klängen von Philipp Glass, erzählt die Puppe über Untertitel von ihrer zunehmenden Depression und Lethargie angesichts der sozialen Kälte und des Mangels an menschlicher Kommunikation in der Großstadt.

Eben jene Kälte mit den Mitteln der Kunst zu überwinden, ist das Anliegen von Gluklya (geb. 1969 in Leningrad, lebt und arbeitet in St. Petersburg), die das Kollektiv Factory of Found Clothes 1995 mit Olga Egorova (Tsaplya) gründete und seither in wechselnden Kollaborationen betreibt. Mit ihren performativen Arbeiten schafft sie Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlichster Gruppen der Gesellschaft. In ihrem Videoprojekt Wings of Migrants, 2012, kommen junge russische TänzerInnen und illegale Gastarbeiter aus Zentralasien zusammen und nähern sich über das Medium des Tanzes vorsichtig an. Durch das Nachahmen von Bewegungen entsteht ein Dialog, der die soziale und sprachliche Kluft überbrückt zwischen den Ballerinen, die sich in den Sphären der Hochkultur bewegen, und den an den Rand der Gesellschaft gedrängten Migranten. In der 2002 entstandenen Arbeit The Triumph of Fragility marschieren junge Marinesoldaten durch Sankt Petersburg. Die Künstlerinnen von Factory of Found Clothes lassen sie dabei zarte weiße Kleider vor sich her tragen, als wären diese etwas sehr Zerbrechliches, etwas, „das die Essenz des Lebens selbst konstituiert“. Eine Aufgabe, welche die jungen Männer mit großem Ernst erfüllen und damit ein kraftvolles Gegenbild zum Militär als Ort, an dem Männlichkeit geübt und unter Beweis gestellt wird, schaffen. (Pressetext Barbara Gross Galerie)

Female views on Russia – Taisiya Krugovykh, Anna Jermolaewa und Gluklya
Eröffnung: 23.04.2015, 18 Uhr
Öffnungszeiten während Kino der Kunst: April 22–26, 2015, 11 – 18 Uhr

Ausstellung bis 15. Mai 2015
Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag 11 – 18:30 Uhr | Samstag 11 – 16 UhrBarbara Gross Galerie
Theresienstraße 56, Hof 1, 80333 München

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