Monika Kapfer und Cora Piantoni | Mi. 06.04.16, Kunstraum München, 19.00

Kunstraum_April

Monika Kapfer und Cora Piantoni „Abriss. Wir haben viel erlebt“ im Kunstraum München.

Monika Kapfer wurde 1970 geboren. Sie lebt und arbeitet in München. Cora Piantoni wurde 1975 geboren. Sie lebt und arbeitet in München und Zürich. Beide verbindet, dass sie in München in den 1990ern an der Akademie der Bildenden Künste studiert haben und dass für sie in dieser Zeit der Kunstraum München ein wichtiger Impulsgeber sowie Ort des Austausches war. Sie haben nun auf der Grundlage von Nachforschungen im Archiv des Kunstraums und persönlichen Erinnerungen eigene Arbeiten entwickelt, die um die Ausstellungen, die Kurator/innen, aber auch die Räume des Kunstraums kreisen. (Pressetext Kunstraum München)
Kuratiert von Daniela Stöppel

Ausstellung bis 01. Mai 2016
Öffnungszeiten: Mi. – So. 14.00 – 19.00
Kunstraum München, Holzstraße 10, Rgb, 80469 München

Beide Künstlerinnen verfolgen keinen streng dokumentarischen oder archivalischen Zugang, sondern eröffnen in installativen Arbeiten vielmehr assoziative Bezüge, um die besondere Bedeutung des Ortes und die spezifische Stimmung des Kunstbetriebes im München der 1990er Jahre zu reflektieren. So greifen Monika Kapfers installative Interventionen minimal in den Raum ein, während Cora Piantoni im Rückgriff auf dokumentarisches Material neue narrative Zusammenhänge schafft. Gemeinsam ist ihnen ein konzeptueller und zugleich intuitiver Ansatz, der Kunst als eingebunden in soziale Prozesse begreift und diese mit formal-ästhetischen Mitteln anschaulich macht.

Ihre künstlerische Praxis erweist sich damit selbst als nicht unwesentlich durch die 1990er Jahre geprägt, so wie möglicherweise auch das aktuelle Selbstverständnis des Kunstraums aus dieser Zeit herrührt. Wohl nicht zuletzt aufgrund dieser prägenden Funktion für eine Generation von Künstler/innen und Kurator/innen um die Vierzig/Fünfzig, die den aktuellen Kunstbetrieb mittlerweile selbst dominieren, ist die aktuell zu beobachtende Beschäftigung mit den 1990ern auch als Selbstbefragung dieser Generation über ihre eigenen Grundlagen zu bewerten. So blickt unter anderem das mumok in Wien in der Schau to expose, to show, to demonstrate, to inform, to offer. Künstlerische Praktiken um 1990 auf diesen Zeitraum zurück. Sowohl die Ästhetiken als auch die Inhalte dieser Zeit werden dort mit dem Abstand von 20 Jahren reflektiert. Dazu stellt Ariane Müller in ihrer Rezension der Ausstellung für Texte zur Kunst fest, Arbeiten seien damals vor allem „als Material“ verstanden worden, was sich nicht zuletzt in der Aufhebung der „Trennung in Kunstwerke, Paraphernalia und Dokumentation“ im Ausstellungsdisplay äußerte. Die Kunst habe sich zudem, so Müller, „in eine utopische Diskussion begeben, von der sie nicht wollte – und das ist auch ein Unterschied zu den anderen Avantgarden des 20. Jahrhunderts –, dass sie aus der Kunst herausführte.“

An die Leseecken- und Sitzsackzästhetik der 1990er Jahre, die oft auch das Didaktische nicht scheute, knüpfen auch Kapfer und Piantoni in ihrer Ausstellung – teils nicht ganz ironiefrei – an. Schon der Ausstellungstitel „Abriss. Wir haben viel erlebt“ bezieht sich sowohl auf eigene Erfahrungen und Eindrücke, als auch auf die mitunter durchaus turbulente Geschichte des Raumes und seiner Betreiber/innen. Im „wir“ blitzt aber auch die damals nahezu obligatorische partizipative Konzeption von Ausstellungen auf, bei denen immer die gesamte Gesellschaft adressiert werden sollte. Die Zeitungsaufsteller von Cora Piantoni, die statementhaft Einblicke in die Kommunikation des Kunstraums bieten, greifen diesen Anspruch, sich mittels einer diskursiven Display-Ästhetik an eine idealtypisch verstandene Gesamtöffentlichkeit richten zu wollen, erneut auf.

„Abriss“ ist zum einen zeitlich zu verstehen, sowie auch räumlich-architektonisch: 1990, 1997, 2002 und 2008 musste der 1973 gegründete Kunstraum umziehen, und auch die sich immer wieder ändernde Zusammensetzung des Vorstands spiegelt den andauernden Transformationsprozess eines Kunstvereins im Wandel wider. Monika Kapfer erweist diesem permanenten Übergang Reverenz, indem sie in ihren Arbeiten bewusst eine Ästhetik von Baustelle oder – auf den Kunstbetrieb bezogen – von Um-, Auf- und Abbau herstellt.

Das Projekt schließt sich an die bereits seit einigen Jahren intensiv betriebene interne Auseinandersetzung mit der Geschichte des Kunstraums an. Den 1990er Jahren wurde in diesem Rahmen bislang jedoch nur wenig Aufmerksamkeit zuteil, wenngleich diese Jahre eine spannende Umbruchszeit, nicht nur für die Kunst und den Kunstbegriff im Allgemeinen, sondern auch für die Organisation des Kunstraums, bedeuteten. So wurde 1995 der bis dahin amtierende Vorstand abgewählt, neue, loftartige Räume in der Goethestraße bezogen und auch das Ausstellungsprogramm stärker auf gesellschaftlich relevante Thematiken ausgerichtet.

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