10 Fragen an Tanja Pol, Tanja Pol Galerie, München

Tanja Pol Galerie

Was ist Ihr Beruf?
Kunsthändlerin. Auf die Frage nach meinem Beruf sage ich nie GALERISTIN, das ist mir zu vage. Mein Beruf ist Kunst vermitteln, das heisst sowohl, sie Menschen nahezubringen, als auch, sie zu verkaufen.

Was ist das beste an Ihrem Job?
Das beste ist grundsätzlich die Freiheit, die ich habe. Ich stelle genau das aus was ich will, und wie ich es will. Ich mache meine Galerie ganz genau so, wie es mir Spass macht, mit den Menschen, die ich mag, an einem Ort, an dem ich wahnsinnig gerne bin, den ich so gestaltet habe, wie ich es möchte. An der täglichen Arbeit als Kunsthändlerin ist eine der schönsten Aufgaben der Atelierbesuch. Ich empfinde es immer wieder als grosses Privileg, in einem Atelier empfangen zu werden. Das ist etwas sehr Intimes, keine Selbstverständlichkeit. Entsprechend respektvoll sollte man damit umgehen, und ich nehme mir dafür immer sehr viel Zeit.- Toll ist es auch, nach einem Verkauf das Feedback mancher Kunden zu bekommen, die mir sagen oder schreiben, wie glücklich sie ihr bei mir erworbenes Kunstwerk macht. Das macht mich dann auch glücklich.

Drei Must-Haves für jeden Galeristen?
1. Ein fotografisches Gedächtnis. Ein Kunstwerk, dass ich einmal bewusst im Original gesehen habe, vergesse ich nie.
2. Man sollte sehr viel Kunst im Original gesehen haben, aus allen Epochen, und sich ernsthaft damit auseinandergesetzt haben.
3. Stil, gute Allgemeinbildung und guten Geschmack. Ansonsten kann man weder mit Künstlern noch mit Kunden auf Augenhöhe kommunizieren.

Was mögen Sie am meisten an Ihrer Galerie?
Meine Galerie ist meine Vision. Ich kann das schwer in Einzelteile zerlegen, die ich mehr oder weniger mag….definitiv ist mein Raum in der Ludwigstrasse etwas ganz besonderes. Ohne diesen Raum gäbe es meine Galerie möglicherweise nicht. Der ideale Galerieraum, ich kann mir keinen besseren vorstellen!

Was war bisher der beste Rat, den Sie als Galeristin erhielten?
Ich habe eine gute Bekannte, die Schamanin und Coach ist. Sie hat mir gesagt, dass meine besondere Fähigkeit ist, Menschen die Seele eines Kunstwerkes zu zeigen. Das klingt jetzt total verschroben und esoterisch, ist es vielleicht auch. Aber seit sie mich darauf hingewiesen hat, gehe ich ganz anders an Präsentationen und Verkaufsgespräche heran….und wie ich zuvor schon sagte, ist das Kundenfeedback ganz oft: Ich habe jetzt genau das Kunstwerk, was ich schon lange suchte, und es macht mich glücklich!! Nennen wir es die Seele des Kunstwerkes oder anders: Ich verkaufe hier nicht irgendwelche Gegenstände, sondern ich vermittle im besten Falle etwas, das mehr ist.

Mit welchem Verkehrsmittel sind Sie in München am liebsten unterwegs?
Mit dem Fahrrad. Damit kommt man überall gut hin, und es gibt so schöne Strecken, die man dann irgendwann paralell zu den Hauptverkehrswegen findet. Ich bin mehrmals im Jahr ein paar Tage in Berlin, und auch dort habe ich jetzt ein Fahrrad stehen. Man versteht eine Stadt am besten auf dem Rad. Nach 12 Jahren Mutter-Kind-Rad mit Sitz hinten drauf habe ich jetzt endlich wieder ein schnelles, schönes Fahrrad. Als ich es letzten Sommer neu hatte, habe ich es in meiner Galerie neben einem Bild von Christina Chirulescu fotografiert.

Lieblingsorte in München?
Der Hofgarten im Sommer, natürlich auch gerne im Schumanns, draussend sitzend beim Mittagessen, neben den Arkaden. Der Königsplatz, ein surrealer Ort. Die kleinen Strassen hinter den Grossen Fassaden in der Innenstadt: Burgstrasse, die Strassen entlang der Frauenkirche, Löwengrube, der Alte Hof mit seinem Reiterstandbild, hier fahre ich oft mit dem Rad entlang, um die grossen Achsen zu entgehen. Im Hochsommer das Ungererbad und die Isarauen. Im Spätherbst hat die kleine Bank vor dem Cafe Pavesi in der Türkenstrasse morgens um 10 Sonne, da frühstücke ich gerne. Der Biergarten am Chinesischen Turm zu jeder Jahreszeit. Die Alte Pinakothek. Die historischen Räume in der Villa Stuck. Dieses Sommersemester bin ich wieder Gastdozentin an der Akademie, da verlegen wir an schönen Tagen das Seminar nach draussen in den tollen Garten.

Wo lassen Sie am liebsten eine Vernissage in München ausklingen?
In meiner Galerie, das geht dann lang. Ich finde das am schönsten, es ist immer schwierig, eine gute Stimmung in einer gewachsenen Runde woanders hinzuverlegen. Oder ein Essen im Restaurant zu machen, wo man dann nur bestimmte Leute mitnehmen kann.

Fünf Uhr nachmittags an einem typischen Sonntag – was machen Sie gerade?
Es gibt zwei typische Sonntage. Entweder ich bin mit meiner Familie zuhause, und wir machen: Nichts. Das heisst, wir lesen, unterhalten uns, hängen rum, trinken Tee…Manchmal bin ich Sonntagsnachmittags bei einem wirklich fordernden Yogaworkshop von Eric Brown, danach bin ich „erleuchtet“….

Welche Zeitschriften lesen Sie normalerweise?
Auf Zugfahrten und im Flugzeug lese ich immer: Bunte, Gala, Neon, Cosmopolitan, DeBug, Spex, Instyle, Closer…Die meisten dieser Hefte lese ich, weil sie sozusagen von anderen Welten künden. Ich bin oft in Italien da kaufe ich immer die italienische Vogue, weil da Mode so total untragbar und konzeptuell gezeigt wird, anders als in der deutschen Vogue. Kunstzeitschriften lese ich eher online, um mich zu informieren. Eine Weile habe ich auch Fantastic Man und Gentlewoman, Purple oder Apartment gelesen, aber im Grunde ist das wie ein Spiegel dessen, womit man sich sowieso den ganzen Tag befasst. Mich interessiert es, die Codes anderer Szenen näher kennzulernen.

Herzlichen Dank an Tanja Pol, Tanja Pol Galerie, München

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