Alex Grein ∩ Anna Vogel | Sperling


Ausstellung bis 24. Oktober 2015

Klassischerweise treffen Photographen die Entscheidung, ob sie Bilder suchen, oder Bilder machen, also gefundene Situationen festhalten, oder ihr Motiv selbst konstruieren bzw. arrangieren. Alex Grein und Anna Vogel haben sich von diesen Kategorien selbstbewusst gelöst und legen sich in der Ausstellung bei Sperling nicht auf eine Variante fest. Sie kombinieren, verändern und bearbeiten eigenes und fremdes Material und schaffen so Arbeiten, die sich nicht sofort unter dem Begriff der Photographie subsummieren lassen. Hierzu passt, dass beide Meisterschülerinnen der Klasse für freie Kunst von Andreas Gursky waren bzw. sind. Diese Freiheit erstreckt sich im Werk beider Künstlerinnen auf die technische Umsetzung, so dass neben Fotos, Zeichnungen, oder Collagen auch Installationen, Videos und skulpturale Arbeiten entstehen. Mit der Photographie, also der Abbildung von Wirklichkeit sind diese Arbeiten konzeptuell, stets verbunden, wobei das jeweilige Konzept mit den Mitteln umgesetzt wird, die passend und notwendig erscheinen.

Passend haben sie die Ausstellung mit der Schnittmenge aus Alex Grein und Anna Vogel betitelt. Beide Künstlerinnen interessieren sich für die Grenzbereiche der Fotografie und befinden sich im Moment eher auf der anderen Seite dieser Grenze. Diese Entwicklung hat bei Anna Vogel zu einer Serie von vibrierenden, abstrakten Zeichnungen auf bedrucktem Fotopapier geführt, die den Betrachter gleichzeitig anziehen, aber auch irritieren undDistanz zu ihm wahren. Alex Grein zeigt eine Gruppe von Arbeiten, in denen sie gesehene Bilder und empfundene Situationen filtert und aus eigener Sicht interpretiert. Durch Wiederholungen unterzieht sie Wahrheiten bzw. Begrifflichkeiten von Natur, Technik und Text einer Prüfung und macht sich und dem Betrachter verborgene Strukturen oder Denkmuster bewusst.

Gemein ist den Künstlerinnen dabei das Spiel mit Wahrnehmung, Zweifeln bezüglich dieser Wahrnehmung und dem fließenden Übergang zwischen Wahrheit und Illusion. In der Ausstellung geht es nicht nur um die Schnittmenge der beiden Künstlerinnen, sondern vor allem um die Schnittmenge von Realität und der Abbildung von Realität. Anna Vogel lässt den Betrachter durch sich scheinbar auflösende oder gerade erscheinende Formen, die bekannt und fremdartig zugleich wirken, jedoch im Unklaren darüber was er sieht. Ganz möchte man der Schönheit der kühlen Kompositionen nicht trauen. Alex Grein dagegen wiegt den Betrachter zunächst in Sicherheit und die Irritation folgt erst bei näherer Auseinandersetzung mit der jeweiligen Arbeit, wenn man zum Beispiel feststellt, dass es sich bei den beiden identischen Farnblättern nicht um Original und Kopie handelt, sondern um zwei Duplikate eines nicht mehr existierenden Blatts. Oder der Computer im Ausstellungsraum, der vermenschlicht offen lässt, ob er mit dem Besucher, oder über ihn lacht.

Obwohl der Arbeitsprozess beider Künstlerinnen gegensätzlich erscheint – Vogel geht intuitiv an die Arbeiten heran, die sich langsam aufbauen, Grein plant den Prozess und das Ergebnis im Vorfeld genau – gibt es auch hier Gemeinsamkeiten. Der selbstverständliche Einsatz des Computers und die Verbindung von Digitalem mit Analogem bzw. Realem, von Natur und Technologie, von perfekt Produziertem und offensichtlich Handgemachtem. Vor allem diese manuellen Eingriffe, evozieren – verstärkt durch menschliche Ungenauheiten –  Gedanken zu Existenz, Zeit oder Erinnerung.  Klassische Themen also, die Alex Grein und Anna Vogel durch einen aktuellen konzeptuellen Unterbau, in ein neues Licht rücken. Die Tatsache, dass es eine Welt unabhängig vom Menschen gibt, bleibt dabei stets spürbar.

Anna Vogel ist 1981 geboren und hat bei Thomas Ruff, Christopher Williams und zuletzt als Meisterschülerin bei Andreas Gursky studiert. Sie hatte zahlreiche Einzelausstellungen, u.a. Im Kunstverein Recklinghausen, in der Galerie Sprüth Magers in Berlin oder im KIT- Kunst im Tunnel in Düsseldorf. Sie war an Ausstellungen im Marta Herford, in der Kunstsammlung NRW und der Biennale auf Lanzarote beteiligt. 2012 erhielt Anna Vogel den Förderpreis der Landeshauptstadt Düsseldorf und war 2014 für den Karl-Schmitt-Rottluff Preis nominiert.
Alex Grein ist 1983 in Köln geboren und studiert seit 2011 bei Andreas Gursky an der Kunstakademie Düsseldorf. Ihre Arbeiten wurden bereits im Kunstverein Duisburg, imd KIT- Kunst im Tunnel in Düsseldorf und im International Museum of Modern Art auf Lanzarote gezeigt. Alex Grein war an der Ausstellung State oft he Art Photography im NRW Forum in Düsseldorf beteiligt und ist Preisträgerin des Projektförderpreises der Best Gruppe (2015), sowie des 4. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerbs (2010).

Pressetext Sperling

Öffnungszeiten: Mi./Fr. 12 – 18 Uhr | Do. 12 – 19 Uhr | Sa. 12 – 16 Uhr
Sperling, Regerplatz 9, 81541 München

 

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